Murdoch: “Qualitätsjournalismus ist nicht billig”
Der in Australien geborene Milliardär und Medienmogul Rupert Murdoch will noch bis zum Sommer nächsten Jahres einen kostenpflichtigen Zugang auf den Online-Nachrichtenwebseiten seiner News Corporation einführen.
Betroffen wären dann unter anderem die Online-Auftritte der britischen “Times”, der “Sun” und der “News of the World”, bei dem Finanzblatt “Wall Street Journal”, das die News Corp im August 2007 übernommen hat, wird bereits auf ein Bezahlmodell gesetzt. “Qualitätsjournalismus ist nicht billig”, stellt Murdoch laut Guardian-Bericht fest.
Die digitale Revolution habe zwar eine Reihe neuer und kostengünstiger Vertriebskanäle für Zeitungsverlage eröffnet. Dies bedeute aber keinesfalls, dass der gelieferte Content automatisch gratis angeboten werden müsse. “Wir beabsichtigen, für alle unsere News-Webseiten Geld zu verlangen”, bekräftigt Murdoch.
Als Hintergrund für die aktuelle Ankündigung sehen viele Experten vor allem das schlechte Abschneiden der News Corp im Ende Juni abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal, das eigenen Angaben zufolge mit einem saftigen Minus von 203 Millionen Dollar beziffert wird. Im Gesamtjahr 2008/2009 musste der Konzern, der als eines der größten Medienkonglomerate der Welt gilt, sogar einen Umsatzverlust von 30,4 Milliarden Dollar hinnehmen.
Ausschlaggebend hierfür war neben hohen Restrukturierungskosten in erster Linie der Einbruch im Werbeanzeigengeschäft der hauseigenen Zeitungstitel. Als Ausweg aus der finanziellen Misere hofft die Branche dabei vorwiegend auf das zunehmend interessanter werdende Online-Geschäft, um das eigene Überleben zu sichern. Die Einführung von kostenpflichtigem Content auf den Webseiten der eigenen Publikationen würde Murdoch mehr Unabhängigkeit von dem schwächelnden Werbegeschäft verschaffen, so das Kalkül des Medienzaren.
Weiterhin ungeklärt bleibt allerdings, wie die Online-Leserschaft auf die Umsetzung derartiger Pläne reagieren wird. Bislang ist innerhalb der Zeitungsbranche eher die Auffassung verbreitet, dass die Nutzer nicht bereit dazu wären, für Nachrichteninhalte im Internet die eigene Brieftasche zu öffnen.
“Für Zeitungen ist im Web bislang noch recht wenig Geld zu verdienen. Die Nutzer sind nicht bereit, Geld für Online-Inhalte zu bezahlen”, gibt sich Anja Pasquay, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), gegenüber pressetext überzeugt. Hinzu komme das Problem, dass im Internet eingesetzte Werbeanzeigen den Unternehmen noch bei weitem nicht so viel Umsätze einbringen würden wie ihre Print-Pendants.
Der News-Corp-Boss sieht dies logischerweise etwas anders und verweist in diesem Zusammenhang auf das Ergebnis einer internen Prüfung, die sehrwohl eine Bezahlbereitschaft auf Leserseite feststellt. “Ich bin bereit, das Risiko einzugehen und die Industrie in Richtung eines Bezahlmodells zu führen. Ich glaube, wenn wir damit erfolgreich sind, werden uns die anderen Medien sehr schnell nachfolgen”, so Murdoch.
Quelle: pte
Autor am 06.August 2009:
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