Paid Content kommt ins Rollen
Das von Zeitungsverlegern vieldiskutierte Thema Paid Content nimmt spürbar an Fahrt auf. Ausgehend von Medienriesen wie Rupert Murdochs News Corp. – Bezahlinhalte-Befürworter der ersten Stunde – springen nun nach und nach mehr Zeitungen und Magazine auf den Zug auf.
Aktuell haben die Hollywood-Publikation Variety sowie Times Online – dem Medienkonglomerat News Corp. zugehörig – etwa zeitgleich bekannt gegeben, künftig Geld für Content auf ihren Webseiten zu verlangen.
Deutschland in der Experimentierphase
“Die internationalen Entwicklungen, besonders am US-amerikanischen Markt, werden hier mit großem Interesse beobachtet. Die deutschen Verlage befinden sich derzeit noch in der Experimentierphase”, sagt Anja Pasquay, Pressereferentin Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), gegenüber pressetext. Als aussichtsreich würden vor allem Fremium-Modelle, also die Kombination bestehender kostenloser Angebote mit neuen hochwertigen Bezahlinhalten, betrachtet.
“Interesse findet ferner die Idee eines virtuellen Kiosks, über den Verlage, die mit ihren gedruckten Produkten auf dem Zeitungsmarkt konkurrieren, im Internet gemeinsam kostenpflichtige Inhalte anbieten, die sich der Nutzer dann nach Lust und Laune zusammenstellt”, so Pasquay weiter.
Laut einer Befragung in Großbritannien sprechen sich dort 70 Prozent der Verlage für Paid Content aus, in Deutschland treiben Verlage wie Axel Springer die Diskussion voran. Dem gegenüber stehen laut Umfragen allerdings nur geringe Prozentsätze an Lesern, die sich bereit erklären, für Online-Nachrichten Geld auszugeben. Einer Untersuchung von Harris Interactive zufolge sind gar nur fünf Prozent der Webnutzer demgegenüber aufgeschlossen.
Variety kehrt zu altem Modell zurück
Das Branchenblatt Variety führt Paid Content nicht neu ein, sondern kehrt zu seinem alten Modell zurück. Denn bis Herbst 2006 waren nahezu alle Inhalte auf der Webseite zahlenden Abonnenten vorbehalten. Danach hatte Variety die Seite geöffnet, um den Traffic zu steigern, allerdings wirkte sich das nicht wie gewünscht auf die Werbeeinnahmen aus.
Nun will sich das Blatt über eine Testphase wieder dem Paid Content nähern. Dabei soll zunächst jedem zehnten Seitenbesucher per Zufallsprinzip die Frage gestellt werden, ob die Bereitschaft besteht, für Inhalte zu zahlen. Danach soll das Nutzerverhalten in einer Beta-Phase gemessen und letztlich die Zahlungspflicht für alle Leser eingeführt werden, berichtet das Wall Street Journal.
Times Online will sein Bezahlgeschäft im Frühjahr 2010 starten. Zuvor soll die Webseite noch einem Relaunch unterzogen werden. Noch ist nicht klar, ob die Zeitung für den Gesamt-Content Geld verlangen wird oder einzelne Bereiche weiter frei bleiben. Branchenbeobachter gehen derzeit aber eher von einem Modell aus, bei dem für alles gezahlt werden muss.
Autor am 11.Dezember 2009:
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