Britische Banken schröpfen Verbraucher
Britische Banken sehen sich angesichts der weltweiten Finanzmarktverwerfungen mit Verlusten in Mrd.-Höhe konfrontiert. Diese werden mit doppelt schweren Belastungen auf den Rücken der Verbraucher kompensiert: Während den Instituten einerseits 500 Mrd. Pfund (640 Mrd. Euro) in Form des staatlichen Bankenrettungsprogramms aus Steuergeldern zur Verfügung stehen, werden Zinsen und Gebühren auf Darlehen, Kredite, Hypotheken und Kreditkarten erhöht.
Angesichts des in den vergangenen Wochen mehrfach gesenkten Basiszinses durch die Bank of England (BoE) sprechen Experten von einer “Abzocke” der Kunden. Im kommenden Jahr sollen britische Banken allein anhand der höheren Zinsen und Gebühren ein Plus von 3,9 Mrd. Pfund einstreichen.
“Ich würde nicht davon ausgehen, dass hierzulande ein ähnliches Szenario bevorsteht”, meint Peter Westerheide, stellvertretender Leiter des Forschungsbereichs Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Dies sei hauptsächlich auf ein grundlegend unterschiedliches Kreditkartensystem zurückzuführen. “Hierzulande existiert ein gänzlich anderes Verhalten im Umgang mit Kreditkarten”, erklärt der Experte.
Die Tendenz, das Leben auf Pump zu finanzieren, zeigt sich unter britischen Verbrauchern ähnlich weit verbreitet wie in den USA. Auf Kreditkarten, Dispositionskrediten und kreditfähigen Kundenkarten, die nach den Zinsanhebungen im Schnitt mit 25 bis 29 Prozent verzinst sind, haben die Briten einen Schuldenberg von über 200 Mrd. Pfund angehäuft. Durch die höheren Zinsen wird es aber zunehmend schwierig, der Schuldenfalle zu entfliehen.
Innerhalb der vergangenen zwölf Monate wurde der Basiszins durch die BoE von 5,75 auf nur mehr 3,0 Prozent gesenkt. Dennoch rechnen etwa die Finanzratgeber von moneysupermarket.com allein bei Hypotheken mit einem Extra in Höhe von 1,5 Mrd. Pfund für britische Banken. “Die von den Banken veranschlagten Gebühren müssen in erster Linie Kosten abdecken. Es ist aber möglich, dass im vergangenen Jahr höhere Kosten und dadurch höhere Gebühren angefallen sind”, sagt Westerheide.
So wurden etwa die Gebühren auf Anleihen um durchschnittlich 1,24 Prozent erhöht, was den Banken Mehreinnahmen über 1,84 Mrd. Pfund einbringen werde. Die Zinssätze bei Kreditkarten mit langfristigem Kreditrahmen stiegen von ohnehin hohen 17,2 auf 17,6 Prozent pro Jahr. Was sich bei den Verbrauchern als zusätzliche Schuldlast äußern wird, bedeutet für die Banken einen zusätzlichen Profit von 570 Mio. Pfund.
Quelle: pte
Autor am 17.November 2008:
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Jan-Christopher Sierks
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