Print: Gruner+Jahr macht’s ohne Profi-Models
Sie sind Lehrerin, Studentin, Verkäuferin, Künstlerin, Buchhändlerin oder Gastronomin – und haben eines gemeinsam: Sie sind die Frauen, die in der aktuellen Ausgabe von Brigitte (2/2010, ab heute im Handel) Mode- und Beauty-Themen zeigen.
Ab sofort verzichtet Gruner+Jahr bei der Brigitte auf Fotostrecken mit Models und präsentiert in allen Ressorts nur noch Frauen, die mitten im Leben stehen – und ist selbst als “Normalo- Modelagentur” aktiv. Das Verhältnis zwischen Mode und Frauen hat sich gewandelt, meint zumindest die Brigitte-Redaktion.
Davon handelt auch das Dossier im neuen Heft. “Einen Platzhalter brauchen Frauen nicht mehr. Sie wollen kein Rollenbild vorgesetzt bekommen, das ihnen suggeriert, wie sie aussehen sollten, sondern selbst am Entwurf beteiligt sein”, sagt Andreas Lebert, Chefredakteur.
Brigitte Huber, Chefredakteurin von Brigitte, ist vom Konzept überzeugt: “Attraktivität hat heute viele Gesichter. Auch sind Designer nicht mehr die alleinigen Initiatoren von Trends. Ob Schauspielerinnen, Musikerinnen, Präsidentengattinnen oder die Frauen auf den Straßen der Metropolen – sie alle prägen Mode- und Beauty-Styles. Und werden ab sofort die Protagonistinnen aller Fotostrecken sein.”
Die Frauen für die Fotoproduktionen werden über die eigene Casting-Website www.brigitte.de/ohne-models und von Redakteurinnen ausgewählt. Sie erhalten für ihre Arbeit ein Honorar “im bisher für Fotoproduktionen üblichen Rahmen”.
Bereits in den ersten drei Monaten haben sich rund 20.000 Frauen gemeldet. Eine kurzfristige Aufmerksamkeit dürfte Gruner+Jahr also garantiert sein. PR gelungen – ob sich das Konzept durchsetzt, bleibt aus meiner Sicht eher fraglich.
Im Grunde übernimmt die Redaktion doch einfach die Arbeit der Agenturen, die auch “normal aussehende” Menschen und nicht ausschließlich Top-Models vermitteln.
Die von Brigitte Huber im Statement genannten “Schauspielerinnen, Musikerinnen und Präsidentengattinnen” sind eh nicht ohne Künstleragentur bzw. Management für solche Printproduktionen zu bekommen.
Und ob Designer sowie Werbekunden die Aussagen der Verantwortlichen gerne lesen, wird sich in Zukunft zeigen…
Autor am 02.Januar 2010:
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Jan-Christopher Sierks
(MEDIA LOTSE - Agentur für PR, Konzeption und Planung)
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