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  • Die Rolle der Medien im US-Wahlkampf

    Veröffentlicht am 15. November 2012 von in Szene





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    Barack Obama

    Soziale Netzwerke im Internet haben die US-Wahl des Präsidenten mitentschieden.

    Barack Obamas Sieg über seinen republikanischen Widersacher Mitt Romney sei auch ein Ergebnis seines effektiveren Einsatzes sozialer Medien gewesen. Das stellte die internationale Expertenrunde, die in der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) „Die Rolle der Medien im US- und deutschen Wahlkampf“ diskutierte, übereinstimmend fest.

    Im weiteren Verlauf ging die Kooperationsveranstaltung der BLM und des US-Generalkonsulats München unter anderem der Frage nach, was deutsche Parteien und Kandidaten aus dem amerikanischen Wahlkampf lernen können.

    „Soziale Medien sind fester Bestandteil der Politik, zumindest in den Vereinigten Staaten“, stellte Siegfried Schneider, Präsident der BLM, in seinem Grußwort fest und fügte mit Blick auf deren erfolgreichen Einsatz durch den alten und neuen US-Präsidenten augenzwinkernd hinzu: „Barack Obama hat Justin Bieber abgelöst.“

    Dass der strategische Einsatz der neuen Medien für Politiker mittlerweile sogar wahlentscheidend sein kann, betonte anschließend William (Bill) E. Moeller, US-Generalkonsul in München, im Rahmen seiner Begrüßung. Obamas Wiederwahl sei „darauf zurückzuführen, dass er soziale Netzwerke effektiver genutzt hat als sein Konkurrent“, so Moeller. „Die gesellschaftliche und politische Wirkung dieser Netzwerke ist nicht weniger als revolutionär.“

    Dieser Analyse des US-Präsidentschaftswahlkampfes schloss sich auch Dr. Molly Selvin, Professorin an der Southwestern Law School in Los Angeles, an. Die bekennende Demokratin Selvin betonte zudem die Auswirkungen der veränderten Geräteausstattung auf den Wahlkampf: „Es gibt viel mehr Smartphones und Tablet-PCs als noch 2008.“

    Für die Kandidaten bedeute dies einerseits gestiegene Anforderungen, da sie so gut wie nie mehr unbeobachtet seien und Ausrutscher gnadenlos öffentlich würden. Gleichzeitig aber böten sich ihnen völlig neue Möglichkeiten mittels sogenanntem „Microtargeting“ Wähler gezielt anzusprechen und zu mobilisieren. Letztlich hätten die neuen Technologien aber auch zu einer Verschärfung des Wahlkampfes geführt, mahnte Selvin: „Extremismus und Übertreibung waren alltäglich, Opfer waren die Fakten“.

    Matthias Kolb, US-Korrespondent für sueddeutsche.de, der der Veranstaltung via Videotelefonie zugeschaltet wurde, sagte, „als Politiker muss man eigentlich in den sozialen Netzwerken aktiv sein“. Romney und Obama hätten daher „beide mehrere Hundert Mitarbeiter gehabt, die sich um ihre Social Media-Accounts gekümmert haben“. „Amerikanische Politik ist ein Milliarden-Dollar-Business“, betonte Kolb.

    Inwieweit die Erkenntnisse aus dem jüngsten US-Wahlkampf auf Deutschland übertragbar seien, stand auch im Mittelpunkt der abschließenden Podiumsdiskussion zwischen Jörg Ihlau, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Serviceplan, Tatjana Ohm, Chefmoderatorin bei N-24, Prof.Dr. Carsten Reinemann vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München und Dr. Molly Selvin.

    „Heißt von Amerika lernen, siegen lernen“, brachte Moderator Klaus Kastan, langjähriger Washington-Korrespondent des Bayerischen Rundfunks, die Frage auf den Punkt. In der Runde überwog die Skepsis. Ohne Zweifel könne die deutsche Politik von der Nutzung sozialer Medien durch ihre amerikanischen Kollegen noch viel lernen, einer Übernahme amerikanischer Verhältnisse schiebe aber schon allein das deutsche Datenschutzrecht einen effektiven Riegel vor.

    Foto: Official portrait of Barack Obama / Quelle & Web: blm.de